Der Hype um die entspannte Mutter

Mutterschaft kann relativ einfach sein, unkompliziert, entspannt, wunderschön eben. Mutterschaft kann aber auch unglaublich anstrengend sein, den letzten Nerv rauben, die Beziehung strapazieren und einige neue Fältchen unter die Augen zaubern. Der Raum dazwischen kann ziemlich groß sein.

Neulich erzählte mir eine Freundin von einer Freundin, die seit einigen Monaten Mutter und tiefenentspannt ist. Das Baby isst gut, schläft gut, ist unkompliziert (was auch immer das bei einem Baby heißen mag ;-)) und macht alles mit. Das die Mutter tiefenentspannt ihre Elternzeit genießt wundert einen dabei nicht. Alles tippi toppi.

Dann gibt es aber auch andere Fälle, Fälle in denen das Kind alle 2 Stunden Hunger hat, auch Nachts, in denen die Mutter alleinerziehend oder eben alleinerziehend mit Mann ist und in denen das Baby eben nicht easy peasy nebenher läuft, sondern volle Aufmerksamkeit will, 24 Stunden am Tag. Da sind die neuen Augenfältchen fix da. Wie oft wird jenen Frauen gesagt sie müssten sich mal wieder entspannen, einfach mal runterfahren.

Bei Kind Nummer 2 bin ich in vielem entspannter. Der Schnuller fällt auf den Boden? Bei Kind war ich kurz vor dem Nervenzusammenbruch, wenn kein Ersatz dabei war. Heute wird der Schnuller schnell mit heißem Wasser, das für die Milch dabei ist fix abgespült oder eben grob abgeputzt und wieder in den Mund gesteckt 😉 Ich weiß, das Kind wird es überleben. Aber obwohl ich in vielem Alltäglichem entspannter bin und Baby Nummer 2 so vollkommen anders ist als Baby Nummer 1 würde ich mich nicht als entspannte Mutter bezeichnen. Ja ich mache mir immer Sorgen. Ja, ein Frühchen kostet schon mal deutlich mehr Kraft als ein reif geborenes Baby. Die Sorgen fangen quasi mit den Wehen an. Ich wäre gerne mega entspannt und würde mit dem 4-Monats-Baby für 4 Wochen nach Bali fliegen. Bin ich aber nicht und Bali in sehr weiter Ferne.

Und ja, von manchen Seiten muss ich mir anhören, das ich ja recht unentspannt bin. Und je nachdem von wem diese Aussage kommt trifft sie mich auch sehr, denn meine Unentspanntheit hat ja eine Historie. Und da es heutzutage als DIE ultimative Mama-Auszeichnung gilt, wenn man toootal entspannt ist bin ich einfach mal out. Da heisst es oft über die entspannten Mamis, „Ach, sie hat jetzt schon das 3. Kind bekommen und die ist ja soooo entspannt.“ „Entspannte Mutter, entspanntes Baby“ oder “ Na bei der entspannten Mutter muss das Baby ja auch entspannt und pflegeleicht sein“.

Tja nun. Dann bin ich das eben nicht. Ich habe keine phillipinische Nanny, die auf Abruf die Kinder hütet (auch wenn die Oma unbezahlbar und oft und gern im Einsatz ist), ich habe keinen privaten Kinderarzt, der mich Tag und Nacht mit all meinen absurden Sorgen empfängt und ich haben eben ein Baby, das ich manchen Bereichen besondere Aufmerksamkeit braucht. Bin ich eben nicht entspannt. Und jeder, der einer frisch gebackenen Mami entgegenwirft, das sie unentspannt sei sollte ein paar Wochen in ihren Schuhen gelebt haben, um wirklich beurteilen zu können ob sie einfach einen Schuss hat oder eben ihre Gründe, denn Muttersein ist ein verdammt harter Job, der keinen Feierabend und kein Wochenende kennt und einem vor allem im ersten Lebensjahr des Kindes viel abverlangt. Was einer unentspannten Mutter da wirklich hilft sind unterstützende Worte, ein Babysittereinsatz und ein gutes Glas Wein (sofern sie nicht stillt natürlich). 😉

Wenn ich ehrlich bin sehne ich bereits jetzt den 1. Geburtstag herbei, weil ich von meinem großen Sohn weiss, dann wird alles/vieles anders, einfacher irgendwie. Sind ja „nur“ noch 8 Monate 🙂

 

Katrin

Mutter --- Bloggerin & PR-Beraterin --- Hamburg --- 32 Jahre alt

No Comments Yet

Comments are closed