Wenn die Schwangerschaft keine Traumschwangerschaft ist

Vor fast genau einem Jahr hielt ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Allerdings war das Ergebnis keine Überraschung für mich, da ich es im Grunde schon wusste. Ich war seelenruhig, als der zweite Strich erschien und machte am nächsten morgen noch einen Test bevor ich es meinem Mann erzählte. Das Kind war geplant, es hatte direkt geklappt und alles war top.

Ich schaute mir auf Instagram strahlende, modische gekleidete Schwangere an und freut mich diese Zeit noch einmal zu erleben. Ich war mir sicher, dieses Mal wird alles anders (bei Schwangerschaft Nummer 1 hatte ich vorzeitige Wehen, musste ins Krankenhaus und viel liegen, aber der Sohnemann kam fast am Termin) und alles gut.

Ich startete mega entspannt in die Schwangerschaft und freute mich als endlich der Tag gekommen war, an dem die kritischsten 12 Wochen um waren. Wenige Tage später war es dann schon vorbei mit der vermeintlichen Traumschwangerschaft. Ich wachte Nachts in einer Lache aus Blut auf, ging ins Bad und war mir sicher, ich habe das Kind verloren. Ich legte mich auf den Badezimmerteppich, weinte leise und verabschiedete mich innerlich. Dann ging ich ins Schlafzimmer, weckte meinen Mann und wir fuhren mit Kleinkind nachts um 2 Uhr ins Krankenhaus. Die frohe Botschaft war: das Baby ist noch da, es geht ihm gut, es ist „nur“ ein Hämatom. Ich sollte mich schonen und vermutlich würde es einfach abbluten und dann wäre es alles gut. Das tat es auch, aber die Angst blieb natürlich und jeder Toilettengang wurde zur Qual, aus Panik von Neuem zu bluten. So vergingen die Wochen und ich bemühte mich so gut es geht zu entspannen

Mit dem neuen Jahr brachte der Sohn dann von der Tagesmutter eine dicke Erkältung mit, die sich bei mir in eine Bronchitis verwandelte und mich wochenlang komplett lahm legte. Ich brach mir vom Dauerhusten sogar eine Rippe und durfte aufgrund der Schwangerschaft kaum Medikamente nehmen. Ich war bedient und sehnte das Ende der Schwangerschaft herbei, aber es waren noch immer 4 Monate. Wenige Wochen später dann der nächste Schock, wieder vorzeitige Wehen. Die Frauenärztin fackelte dieses Mal zum Glück nicht lange, schickte mich von jetzt auf gleich ins Beschäftigungsverbot und so lag ich daheim so gut es mit Kleinkind eben ging. Da der Befund jedoch immer schlechter wurde kam ich dann ins Krankenhaus um die Lungenreifespritze für das Baby zu bekommen, falls es tatsächlich früher kommen sollte. Es waren furchtbare Wochen und ich war weit entfernt von der Traumschwangerschaft, die ich mir so sehr gewünscht hatte. Und zum Abschluss des Ganzen platzte mir bei 35+0 nachts die Fruchtblase. Ich kam mit Krankenwagen ins Krankenhaus und innerhalb weniger Stunden war Baby #2 geboren. Ihm ging es gut, er konnte sogar zu mir ins Zimmer, aber ich brauchte einige Wochen um das Ganze zu verstehen und für mich zu akzeptieren, dass es für mich eben keine Traumschwangerschaft gegeben hat, die man nach der Geburt vermisst. Ich war einfach froh es für mich und das Baby gesund hinter uns gebracht zu haben.

Warum ich euch davon berichte? Wenn es euch ähnlich geht: ihr seid nicht allein, nicht jede Schwangerschaft ist perfekt. Und liebe Schwangere mit Traumschwangerschaft, geniesst es, ich gönne es euch von Herzen, denn so viele Sorgen schon in der Schwangerschaft sind wirklich nicht schön, freut euch, wenn es nur nervige Fragen von Familie, Freunden und Fremden sind (die habe ich übrigens mal hier auf dem Frosch-Blog für euch zusammengeschrieben), die euch ab und an nerven und geniesst diese (im Grunde) wunderbare Zeit, denn egal ob wunderschön oder fürchterlich, so oder so sind die 10 Monate endlich.

Katrin

Mutter --- Bloggerin & PR-Beraterin --- Hamburg --- 32 Jahre alt

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